Finanzierung

Pre-Seed-Runde: Das erste Kapital für dein Startup

Wie viel Kapital du ganz am Anfang brauchst und wie du Geldgeber ohne Umsatz überzeugst.

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2. November 2026

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6 Min. Lesezeit

Pre-Seed-Runde: Gründer präsentiert seine Idee am Laptop

Am Anfang steht eine Idee, ein kleines Team und meist ein knappes Budget. Die Pre-Seed-Runde soll genau diese Lücke schließen. Sie liefert das erste externe Kapital, mit dem du aus einer Idee einen funktionierenden Prototyp und erste Kundenbeweise machst.

Weil es noch kaum Zahlen gibt, funktioniert eine Pre-Seed-Finanzierung anders als spätere Runden. Investoren setzen auf dich, dein Team und deine Einsicht in ein Problem. In diesem Ratgeber erfährst du, wie viel Kapital realistisch ist, wer in dieser Phase investiert und wie du dich vorbereitest.

Was ist eine Pre-Seed-Runde?

Die Pre-Seed-Runde ist die früheste Finanzierungsphase eines Startups. Sie liegt zwischen der Eigenfinanzierung durch die Gründer und der Seed-Finanzierung. Das Ziel ist nicht Wachstum, sondern Validierung: Gibt es das Problem wirklich, und wollen Kunden für deine Lösung bezahlen?

Mit dem Kapital finanzierst du typischerweise:

die Entwicklung eines Prototyps oder MVP

Kundeninterviews, Pilotprojekte und erste Tests

die Gründung der Gesellschaft und rechtliche Grundlagen

einen bescheidenen Lebensunterhalt für das Kernteam

Wie viel Kapital ist realistisch?

Pre-Seed-Runden in Deutschland liegen häufig zwischen 50.000 und 500.000 Euro. Technologieintensive Startups sammeln teils bis zu einer Million Euro. Plane so, dass das Geld für zwölf bis 18 Monate reicht und du in dieser Zeit die Meilensteine für die Seed-Runde erreichst.

Frage dich: Was muss ich beweisen, damit ein Seed-Investor überzeugt ist? Rechne rückwärts, was das kostet. So vermeidest du, zu früh zu viele Anteile abzugeben.

Wer investiert in der Pre-Seed-Phase?

Friends, Family and Fools

Familie und Freunde sind oft die ersten Geldgeber. Behandle diese Investments trotzdem professionell und halte alles schriftlich fest. Kläre offen, dass ein Totalverlust möglich ist.

Business Angels

Angels investieren gern sehr früh, weil sie Chancen erkennen, bevor große Fonds einsteigen. Neben Kapital bringen sie Erfahrung und Kontakte. Lies dazu unseren Ratgeber Business Angels finden.

Pre-Seed-Fonds und Acceleratoren

Einige Fonds haben sich auf die früheste Phase spezialisiert. Acceleratoren kombinieren kleine Investments mit Programmen und Netzwerk. Unser Vergleich Accelerator oder Inkubator hilft dir bei der Wahl.

Öffentliche Förderung

Programme wie das EXIST-Gründerstipendium für Hochschulgründungen oder Landesprogramme liefern nicht verwässerndes Kapital. Oft lassen sie sich mit privaten Investments kombinieren. Einen Überblick bietet unser Artikel Förderprogramme für Startups.

Pre-Seed-Runde: Notizen zur Finanzplanung eines Startups

In der Pre-Seed-Phase zählen Team, Problemverständnis und erste Validierung.

Wie du ohne Umsatz überzeugst

In der Pre-Seed-Phase kannst du selten mit Umsätzen punkten. Dafür zählen andere Signale:

Founder-Market-Fit: Warum seid ihr das richtige Team für genau dieses Problem?

Tiefes Problemverständnis: Belege aus Dutzenden Kundengesprächen.

Erste Validierung: Wartelisten, Letters of Intent, Pilotkunden oder Vorbestellungen.

Umsetzungsgeschwindigkeit: Was habt ihr mit wenig Mitteln schon erreicht?

Große Vision: Wie kann aus dem kleinen Anfang ein großes Unternehmen werden?

Instrumente der Pre-Seed-Finanzierung

Wandeldarlehen

Das häufigste Instrument in dieser Phase ist das Wandeldarlehen. Investoren geben ein Darlehen, das später in Anteile umgewandelt wird. Die Bewertung wird auf die nächste Runde verschoben. Wie das funktioniert, erklärt unser Ratgeber Wandeldarlehen.

Direkte Beteiligung

Bei einer klassischen Beteiligung erwirbt der Investor sofort Anteile. Das erfordert eine Bewertung und einen Notartermin, schafft aber klare Verhältnisse.

Zuschüsse und Stipendien

Fördermittel musst du nicht zurückzahlen und gibst keine Anteile ab. Dafür sind Anträge aufwendig und Mittel an Bedingungen geknüpft.

Bewertung in der Pre-Seed-Phase

Eine Bewertung ohne Umsatz ist immer eine Verhandlung. Orientierung bieten vergleichbare Runden, die Stärke des Teams und der Wettbewerb unter Investoren. Gründer geben in der Pre-Seed-Phase häufig zehn bis 15 Prozent ab.

Achte darauf, dass nach mehreren Runden genug Anteile beim Gründerteam bleiben. Viele Investoren schauen kritisch auf Startups, in denen die Gründer schon früh die Mehrheit verloren haben.

So bereitest du die Pre-Seed-Runde vor

1.

Problem validieren: Führe mindestens 30 strukturierte Kundeninterviews.

2.

Gesellschaft gründen: Investoren beteiligen sich in der Regel nur an einer GmbH oder UG.

3.

Kompaktes Pitch Deck erstellen: Zehn bis zwölf Folien reichen. Tipps liefert Pitch Deck erstellen.

4.

Finanzbedarf begründen: Wofür brauchst du das Geld, und welche Meilensteine erreichst du damit?

5.

Investoren recherchieren: Konzentriere dich auf Geldgeber mit Pre-Seed-Fokus.

Das Pre-Seed-Pitch Deck

Dein Deck sollte kurz und prägnant sein. Investoren wollen in wenigen Minuten verstehen, worum es geht. Diese Folien gehören hinein:

Problem und Zielgruppe

deine Lösung und was sie besonders macht

Marktpotenzial

erste Validierung und Learnings

Team und warum ihr gewinnen werdet

Finanzbedarf und Meilensteine

Typische Fehler

Zu früh zu viele Anteile abgeben

Investoren ohne Pre-Seed-Erfahrung ansprechen

Unklare Vereinbarungen mit Familie und Freunden

Kein klarer Plan, was bis zur Seed-Runde erreicht werden soll

Monatelanges Fundraising statt Arbeit am Produkt

Wie lange dauert eine Pre-Seed-Runde?

Plane zwei bis vier Monate ein. Setze dir ein klares Zeitfenster und führe die Gespräche gebündelt. So entsteht Dynamik unter den Investoren, und du verlierst nicht zu viel Zeit für dein eigentliches Geschäft.

Hilfreich ist ein sogenannter Lead-Investor, der als Erster zusagt und die Konditionen prägt. Sobald eine erfahrene Person einsteigt, folgen andere leichter. Nutze diesen Effekt bewusst und kommuniziere Zusagen transparent an weitere Interessenten.

Rechtliche Grundlagen

Auch bei kleinen Summen brauchst du saubere Verträge. Kläre mit einer spezialisierten Kanzlei, wie Wandlung, Abfindung und Informationsrechte geregelt sind. Halte die Gesellschafterliste aktuell und prüfe, ob Änderungen beim Transparenzregister zu melden sind. Saubere Unterlagen zahlen sich spätestens bei der Seed-Runde aus, wenn neue Investoren alles prüfen.

Meilensteine bis zur Seed-Runde planen

Das wichtigste Ergebnis deiner Pre-Seed-Runde ist nicht das Geld selbst, sondern das, was du damit beweist. Lege deshalb vor dem Fundraising fest, welche Meilensteine du bis zur Seed-Runde erreichen willst. Diese Ziele machen deinen Kapitalbedarf nachvollziehbar und geben dir intern Orientierung.

Typische Meilensteine für das Ende der Pre-Seed-Phase sind:

ein nutzbares Produkt, das echte Kunden regelmäßig verwenden

erste zahlende Kunden oder unterschriebene Pilotverträge

messbare Retention, also Nutzer, die wiederkommen

ein skizzierter, getesteter Vertriebskanal

ein vollständiges Kernteam mit Technik und Vertrieb

Teile die Zeit bis zur nächsten Runde in Quartale auf und weise jedem Abschnitt ein Budget zu. So erkennst du früh, ob du schneller Geld verbrauchst als geplant, und kannst rechtzeitig gegensteuern.

Bootstrapping als Alternative

Nicht jedes Startup braucht eine Pre-Seed-Runde. Wer mit wenig Kapital starten kann, etwa mit Dienstleistungen oder einem schlanken Softwareprodukt, behält alle Anteile und volle Kontrolle. Viele Gründer kombinieren beide Wege: Sie wachsen erst aus eigener Kraft und holen Investoren an Bord, wenn sie bessere Konditionen verhandeln können. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt unser Interview zum Bootstrapping.

Fazit

Die Pre-Seed-Runde ist weniger eine Frage der Zahlen als des Vertrauens. Investoren setzen auf dein Team, dein Problemverständnis und deine Geschwindigkeit. Wer früh Kunden einbindet, den Kapitalbedarf klar begründet und flexible Instrumente wie Wandeldarlehen nutzt, schafft die Basis für eine starke Seed-Finanzierung.

Häufige Fragen zur Pre-Seed-Runde

Wie viel Geld sammelt man in einer Pre-Seed-Runde?

In Deutschland meist zwischen 50.000 und 500.000 Euro, je nach Branche und Kapitalbedarf.

Brauche ich schon Umsatz für eine Pre-Seed-Finanzierung?

Nein. Entscheidend sind Team, Problemverständnis und erste Validierung, etwa Wartelisten oder Pilotkunden.

Welches Instrument ist in der Pre-Seed-Phase üblich?

Sehr häufig das Wandeldarlehen, weil es schnell umgesetzt werden kann und die Bewertung verschiebt.

Wie viele Anteile gebe ich im Pre-Seed ab?

Häufig zehn bis 15 Prozent, abhängig von Summe und Bewertung.

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